Faszientherapie - echte Alternative gegen chronische Rückenschmerzen

Jeder kennt es, dass sich Bewegungen steif anfühlen, als wäre man in einem zu engen Kleidungsstück gefangen. Fast jeder dritte Mensch gibt Schmerzen an mehreren Bereichen der Wirbelsäule an. Aus heutiger wissenschaftlicher Sicht weiß man, dass Beschwerden häufig in den Faszien zu finden sind. Dem werden wir in diesem Blogbeitrag nachgehen, welche Möglichkeiten bestehen, um chronischen Rückenschmerzen den Kampf anzusagen. 

Einführung - Faszien

Seit dem First international Fascia Congress 2007 wurden alle faserigen kollagenen Bindegewebsstrukturen des menschlichen Körpers unter dem Begriff Faszien zusammengefasst und als ein zusammenhängendes Fasziengewebe beschrieben.

Faszien und die biomechanische Regulation

Das Muskel-Knochen-Konzept, wie es in der üblichen anatomischen Beschreibung zu finden ist, zeichnet nur ein rein mechanisches Modell der Bewegung. Es unterteilt Bewegung in nicht zusammenhängende Funktionen und vermittelt somit überhaupt keinen Eindruck von der nahtlos integrierten Bewegung, die bei einem lebendigen Körper zu beobachten ist: Wenn sich ein Körperteil bewegt, antwortet der ganze Körper!

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Mechanisch spielt das Bindegewebe (oder die Faszie) also als einheitliches und umfassendes Regulationssystem eine wichtige Rolle für die gesamte Biomechanik, sowohl auf der Zellebene als auch auf der ebene des Gesamtorganismus

Funktionen und Aufgaben von Faszien

  • Trennfunktion: Trennen Muskeln und Organe voneinander und von umliegendem Gewebe und Knochen. Sie halten alles an ihrem Platz. Verhindern die Reibungen zwischen Muskeln.
  • Kraftübertragung: Übertragen Kräfte von Muskel zu Muskel.
  • Kraftspeicher: Speichern Kräfte und können diese wie eine Sprungfeder wieder freisetzen.
  • Transport- und Versorgungsfunktion: Abbau- und Aufbauprodukte von Zellen werden durch die Lymphe hin- und hergeleitet.
  • Schutzfunktion: Umhüllen und schützen Organe und Muskeln.
  • Abwehrfunktion: Als Teil des Bindegewebes schützen sie deinen Körper vor Eindringlingen.
  • Speicherfunktion: Faszien dienen als Wasserspeicher.
  • Kommunikationsfunktion zwischen Gefäßen und Nerven.
  • Beweglichkeit: Sind für deine Gesamtbeweglichkeit verantwortlich.
  • Sinnesorgan: Reagieren auf mechanische und chemische Reize und leiten diese an dein Gehirn weiter.
  • Stoßdämpferfunktion: Federn die Wucht von einwirkenden Kräften ab.
  • Formen und gestalten dein körperliches Erscheinungsbild.
  • Einfluss auf dein körperliches und seelisches Wohlbefinden.

Der erste Schritt für einen gesunden Rücken sollte immer die Prävention sein!

Man sollte möglichst früh in seinem Leben mit guten Lebensgewohnheiten wie gesunder Ernährung, einem entspannten Geist, einem guten sozialen Netzwerk und ausreichender Bewegung beginnen. Spart Geld und Nerven. Auch regelmäßige Massagen sind Präventivmaßnahmen. 

Wie verhalten sich Faszien bei chronischen Dauerstress auf unseren Rücken?

Ist unser Körper ständigen belastenden Situationen ausgesetzt, ziehen sich die Faszien die  unabhängig vom Muskel zusammen. Bei chronischem Stress verliert Fasziengewebe durch die Dauerspannung seine Elastizität und es beginnt sich pathologisch zu verändern.

Es verfilzt, verklebt und verhärtet und man bekommt das Gefühl, als hätte man ein zu enges Kleidungsstück an! Es kommt zu Spannungsgefühlen, einer eingeschränkten Beweglichkeit und Schmerzen.

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Durch eine Faszientherapie werden mehr Endorphine ausgestoßen, die sogenannten Glückshormone. Das reduziert nicht nur die Schmerzen, sondern baut auch Stress ab. Es werden weniger Stresshormone gebildet. Das stärkt automatisch das Immunsystem.

Stresshormone vermeiden durch ein ausgeglichenes vegetatives Nervensystem - Sympathikus und Parasympathikus

Der Sympathikus sorgt für eine Leistungssteigerung und wird zum Beispiel in Stress- und Notfallsituationen aktiviert. Unter seinem Einfluss steigt die Herz- und Atemfrequenz, der Blutdruck und die Skelettmuskulatur wird angespannt und gut durchblutet. 

Der Parasympathikus wird auch als „Ruhenerv“ bezeichnet. Er bewirkt zum Beispiel, dass die Herz- und Atemfrequenz abnimmt. Wirkt also als Gegenspieler zum Sympathikus

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Wenn diese zwei Mechanismen Sympathikus und Parasympathikus - autonomes Nervensystem aus dem Gleichgewicht geraten, kann sich eine vegetative Dystonie (den Körper betreffend) oder eine psychovegetative Störung (die Seele betreffend) entwickeln und hat somit wieder einen negativen Einfluss auf die Elastizität der Faszien. Was wiederum chronischen Rückenschmerz auslösen kann.

Vegetative Dystonie - mögliche Symptome?

Den Körper betreffend (Soma):

  • Kopfschmerzen.
  • Schwindel.
  • Durchfall.
  • Verstopfung.
  • Schlafstörungen.
  • Krämpfe.
  • vermehrtes Schwitzen.
  • erhöhter oder erniedrigter Pulsschlag.

Häufigste Ursachen - psychovegetative Störungen

Die Seele betreffend (Psyche):

  • Seelische Probleme wie Familienprobleme, berufliche Sorgen, Partnerverlust, Prüfungsangst oder sehr harte geistige Arbeit
  • Überreizung durch zu langes, zu hartes Arbeiten. Zu langes Fernsehen
  • Unregelmäßige Schlafenszeiten durch Schichtarbeit oder durch die Zeitverschiebung bei einer Fernreise
  • Zu schweres Essen am Abend oder übermäßiger Genuss von Alkohol oder Koffeinhaltiger Getränke
  • Schlechte Schlafbedingungen wie Lärm, schlechte Luft
  • Psychische Erkrankungen (z.B. Depressionen)
  • Körperliche Erkrankungen (z.B. Schmerzen)
  • Nebenwirkung von Medikamenten (z.B. Appetitzügler)
  • Schlaftablettenmissbrauch

Zusammenfassend ist zusagen, dass der Körper und die Psyche als eine Einheit fungieren. Starke Rückenschmerzen können psychische Probleme hervorrufen und psychische Probleme können starke Rückenschmerzen hervorrufen.

Fehlhaltungen als weitere Ursache bei chronischen Rückenschmerzen

Fehlhaltungen werden durch eine ungünstige Körperhaltung bei der Arbeit (z. B. durch zu langes, starres Sitzen oder Stehen) ausgelöst. Es entstehen Verspannungen und Muskelschmerzen, die deine Ergonomie beeinflussen.

Unter Ergonomie versteht man die Anpassung der Arbeitsbedingungen an den Menschen und nicht umgekehrt. Was wiederum bedeuten könnte, das bestehende Probleme wie eine leichte Skoliose in einem ungünstigen Arbeitsumfeld verstärkt werden könnten.

Möglicher Lösungsansatz bei einer Fehlhaltung

Tensegrity in der Faszientherapie

Der englische Begriff Tensegrity setzt sich zusammen aus tension (Spannung) und integrity (Ganzheit/Zusammenhalt).

Tensegritätsstrukturen bestehen aus starren Druck (Knochen)- und elastischen Spannungskomponenten (Faszien). Dabei berühren sich die starren Komponenten (Knochen) nirgendwo direkt, sondern sind über die elastischen Komponenten (Faszien) verbunden. 

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Die elastischen Komponenten wiederum stehen unter Spannung und verteilen diese Spannung auf die gesamte Konstruktion. Es handelt sich um eine dynamische Konstruktion, die sich selbst stabilisiert. Wirkt eine Kraft auf eine Stelle einer Tensegritätsstruktur ein, passt sich die ganze Struktur an, die einwirkende Kraft wird aufgefangen und auf die gesamte Konstruktion verteilt.

Ist diese Konstruktion nicht im Lot, können sich Fehlhaltungen oder fehlformen über die Zeit entwickeln und der Körper verbraucht mehr Energie. In der Faszientherapie wird das Tensegrity-Modell auch als Biotensegrität bezeichnet.

Fazit

  • Faszien halten uns wie ein Netz zusammen und formen unser Erscheinungsbild.
  • Faszien haben zahlreiche wichtige Funktionen im Körper.
  • Verklebte und verhärtete Faszien haben schwerwiegende Folgen für deinen Körper.
  • Vermeide chronischen Stress.
  • Halte dich fit und lebe gesund